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INDIEN Eine Rundreise in Rajasthan — nach Flug Berlin-London-Dehli nach Agra, Kesroli, Jaipur, Pushkar, Jodpur, Narlai, Udaipur und zurück nach Delhi. Zur Geschichte Indiens samt der britischen Kolonialzeit kann man selbst genug online nachlesen. Was vielmehr beeindruckt, sind die Umstände in den Städten und auf dem Land, die sich in ihrem Ursprung auf fünf wesentliche Aspekte konzentrieren lassen: Religion, Geschlechterrolle, Armut, Altersabsicherung und Kastensystem. Alle fünf Aspekte bedingen einander ganz wesentlich. Die Religion bestimmt in allen Facetten das tägliche Leben des Inders. Dabei wird morgens wie abends ohne feste Zeiten einer der vielen, von jeder Familie selbst favorisierten Götter angebetet, insbesondere Glück und Gesundheit zu bringen. Glück ist sowieso eines der Schlagwörter der Inder. Alles dreht sich um das Glück – ob der Elefant, der als Tier wie auch als Skulptur dafür steht oder aber eben jene Götter, die auserkoren wurden, einem Glück zu bringen. Der Glaube in seiner Überlieferung hat dabei ganz wesentlichen Einfluss auf die Geschlechterrolle, in der die Frau nach wie vor Kind wie Haushalt versorgt und der Mann für die Versorgung der Familie verantwortlich ist. Er ist ganz klar das Familienoberhaupt, wenngleich er ebenso seine Frau nahezu vergöttert, ist sie doch eine der vier wesentlichen Mütter, die er in seinem Leben verehrt: Die eigene Frau, die Mutter der eigenen Frau, die Kuh als Tier (und nicht nur als Spender von Milch) sowie die „Mutter Erde“. Spätestens jetzt wird klar, weshalb in Indien kein Rind auf den Tellern landet und ebenso heilig mit jedem Tier auf der Straße umgegangen wird. Geheiratet wird im Übrigen immer noch auf Geheiß des Familienoberhaupts: Die erste Stimme hat der Vater, die zweite die Mutter, die dritte der Sohn. Arrangierte Ehen sind auch heute noch mehr Usus als die uns bekannte Vermählung aus Überzeugung und Liebe. Söhne werden von Geburt an auf ihre Geschlechterrolle vorbereitet. Italiener würden als Machos und Muttersöhnchen zugleich dargestellt werden, nicht so der indische Mann. Er ist derjenige, der die Familie ernährt und sie beschützt, weshalb eine Mutter erst dann zufrieden ist, wenn sie einen Sohn gebärt. Dies hat ebenso stark wirtschaftliche Bedeutung im Rahmen der späteren, obligatorischen Hochzeit, müssen die Eltern von Mädchen doch die Mitgift an die Familie des Bräutigams entrichten. Im Übrigen werden Schwangerschaftstests zu 99% genau aus diesem Grund durchgeführt, zu erfahren, welches Geschlecht zu erwarten ist und über eine etwaige Abtreibung nachzudenken, wenngleich dies gesetzlich verboten ist. Die mögliche Verhütung im Vorfeld ist insbesondere auf dem Land nach wie vor ein quasi unbekanntes Thema, weshalb die Geburtenrate ebenso rasant nach oben schnellte. Dazu eine herrlich witzige Anekdote, die ich einem Reiseführer entnehmen konnte. Ein Ärzte-Team versuchte sich darin, einer Dorfgemeinschaft die Funktion von Kondomen näher zu bringen, um die Geburtenrate in jenem Dorf zu senken. Sie vermittelten das Überstülpen des Kondoms anhand eines Fingers, den sie als Ersatzmittel nutzten. Ein Jahr später auf einem Kontrollbesuch wunderten sie sich, weshalb sich an der Geburtenrate nichts geänderte hatte, dessen Grund sie beim näheren Nachfragen erfuhren: Die Männer nahmen an, dass der Kondom beim Geschlechtsverkehr über den Finger statt wie uns bekannt gestülpt den nötigen Schutz bringt. Man sieht: Aufklärung unserer westlichen Hemisphäre verläuft in anderen Teilen unserer Welt doch gerne ganz anders als geplant. Spätestens seit Mitte des letzten Jahrhunderts explodierte aus einem anderen ganz wesentlichen Grund die Geburtenrate: Indien wuchs seitdem von rund 350 Millionen Einwohnern auf nunmehr rund 1,6 Milliarden. Genaue Volkszählungen gibt es nicht, was insbesondere für das Land statt für Städte gilt. Der Hintergrund des Wachstums sind nicht Glaube oder Verhütung, sondern schlichtweg die fehlende Altersabsicherung der Eltern - es gibt keine gesetzliche Rentenversicherung wie bei uns. Gleiches gilt für die Krankenversicherung. Und da liegt es nahe, die Alterslast auf so viele Kinderschultern wie nur möglich zu verteilen. Hieraus resultiert die unglaublich hohe Bevölkerungszahl, die auf absehbare Zeit nicht stagnieren wird. Für Mumbai mit derzeit 26 Millionen Einwohnern als die bevölkerungsstärkste Stadt Indiens verglichen mit einer Fläche von Hamburg (1,3 Mio. Einw.) wird bis 2025 ein Wachstum auf rund 32 Millionen Einwohnern vorhergesagt. Dies in Summe ist die größte Herausforderung des Landes, ob aus Gründen der Ernährung, des Platzmangels oder auch der Hygiene. Denn einhergehend mit der Armut und den täglichen Herausforderungen – mehr als zwei Drittel der Bevölkerung müssen täglich mit weniger als 120 Rupien auskommen (1,50 EUR) – haben die Inder verständlich andere Sorgen, als sich um Abfallbeseitigung zu bemühen, wenngleich es für mich vollkommen unverständlich ist, einfach alles ausnahmslos an Ort und Stelle auf den Boden zu werfen. Ich habe in der ganzen Zeit genau zwei Mülleimer (dustbins, auch gerne Dust-Bin) gesehen, was bezeichnend für die Situation ist. Daher wundert es nicht, dass ob in den Städten oder erst recht auf dem Land man umgeben ist von Müll, wohin man schaut. Auf meine Frage hin, warum Inder alles derart wegschmeißen statt zu entsorgen, entgegnete mir mein Fahrer Muni lediglich mit einem verwunderten Schweigen. Sie kennen es scheinbar nicht anders. Innerhalb des letzten Aspekts, dem Kastensystem, sieht selbst der gewöhnliche Inder nicht mehr durch. Es gibt nicht nur die uns bekannten fünf, sechs Kasten als lebenslange Zuordnung zu einer Schicht, in die man hinein geboren wird, sondern wohl eine unendliche Vielzahl an weiteren Kasten. Verkürzen lässt sich das, in welche Lebensumstände man hinein geboren wird – ob arm oder reich, Stadt oder Land. Was sich allmählich ändert, ist der Wohlstand in den Städten. Dies wird bestärkt durch das enorme Wohlstandsgefälle, das sich vom fast unbekleideten, armen Inder auf der Straße zu den Besitzern westlicher Automarken erstreckt, die ebenso im Geld zu schwimmen scheinen. Das ist auch „Real India“ in Form der krassen Gegensätze, egal wohin man schaut. Drei witzige wie ebenso beeindruckende Erlebnisse will ich zuletzt noch festhalten. Zum einen sind da die Hände haltenden Männer, zum anderen die Sprachbarrieren und zuletzt die Einladung zur Hochzeit von Munis älterem Sohn Amit im Frühjahr 2014. Hände haltende Männer verbindet man in unseren Breitengraden ja bekanntermaßen mit gleich geschlechtlicher Liebe. Dass das mit Blick auf die Traditionalität und Religiosität in Indien ein Unding ist, kann man sich vorstellen. Dennoch laufen hier Männer regelmäßig Hände haltend auf der Straße umher, und „betätscheln“ sich dabei gerne an Schulter und Hüfte. Zunächst habe ich mir mit „europäischer Weltoffenheit“ nichts dabei gedacht, bis Muni in Jodpur, in etwa der Hälfte der Tour, plötzlich und unerwartet meine Hand griff und fest hielt. Zunächst dachte ich, dass das ein Zeichen sein sollte, mich zu sputen. Wie gesagt läuft hier alles hektischer ab als bei uns in Europa. Nach späterem Fragen erklärte er mir jedoch genau das Gegenteil, nämlich dass das Händegreifen und „betätscheln“ ein Zeichen für Freundschaft und Anerkennung ist. Dass er dies bei mir nach solch wenigen Tagen des Kennenlernens bereits tat, ist natürlich eine kleine Ehre, auch da wir in der Tat eine Menge Spaß hatten trotz aller Sprachbarrieren hier und da. Als zweites sind da genau die Sprachbarrieren zu Beginn der Reise sowie das kirre werden des Kopfes nach so einigen Tagen in Indien. Sprachbarriere heißt, dass Inder, insbesondere diejenigen, die in der Stadt statt auf dem Land aufwachsen, unweigerlich mit Englisch konfrontiert werden und demnach mehr oder minder gut beherrschen. Muni zählt zu den Stadtmenschen. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass sie ein verständliches und mit halbwegs ordentlichem Satzbau versehenes Englisch sprechen. So werden die Buchstaben "F" und "W" durchweg als "P" gesprochen. Verwirrung kehrt spätestens dann ein, ob nun beispielsweise die Frau "wife" oder die Zahl "five" gemeint ist. Das sorgte für viele Schmunzler während der Rundreise. Zum Schluss das interessanteste Thema von allen: Den kulinarischen Besonderheiten in Indien! Abgesehen von Lassi, Chicken Curry, Naan & Co., das wir auch bei uns in Deutschland bekommen, ist hier alles so gänzlich anders. Der Einsatz von Besteck bechränkt sich im Grunde auf den Löffel, um lediglich den Inhalt kleiner, verschieden gefüllter Schalen auf den Teller zu bringen. Ansonsten sind die Hände bestes Besteck, weshalb man auch in vielen gewöhnlichen Straßenlokalen direkt ein Waschbecken im Raum findet, um sich im Voraus die Hände zu reinigen und im Anschluss die gefühlt 2 Liter Öl zu entfernen. Denn das macht die indische Küche aus: Es ist alles recht ölig, fettig aber ebenso köstlich und auch genießbar ohne Folgen im Stoffwechsel (...). Ich zumindest hatte keinerlei wesentliche Probleme mit der Verdauung. Und wenn dann nur der Massen an Essen wegen, die einem aufgrund der großen Gastfreundlichkeit fortwährend serviert werden. Und etwas Angebotenes auszuschlagen, gibt es bei den Indern nicht. Erst recht, wenn man bedenkt, dass sie eher hungern würden, um ihren Gästen alles Gute zu tun.

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